Am 5. November lädt die Fakultät Life Sciences zum Herbst-MINT-Festival – ein Angebot, die Komplexität der Lebenswissenschaften ins Greifbare zu holen: DNA-Forensik im Pausenbrot, Mikrokosmen im Wasserglas, Farbsignaturen in Pflanzen. Es ist die komplementäre Antwort auf das sommerliche Pendant der Fakultät für Technologie und Bionik, das mit rund 220 Teilnehmenden auf Breite setzte – 3D-Druck, Raketenbau, Robotik. Nun, im Herbst, gilt das Prinzip Tiefe: keine Hörsaaltheorie, sondern eng betreute Praxis an Labortischen, Gerätezugang inklusive – eine Nähe, die große Formate selten zulassen. Etwas mehr 25 Schüler*innen von Gymnasien und Gesamtschulen der Region profitieren davon. Organisiert und finanziert wurden die Workshops vom zdi-zentrum Kreis Kleve cleverMINT. Die zdi-Finanzierung stammt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Agentur für Arbeit.

Den Auftakt setzt Prof. PD Dr.-Ing. Sylvia Moenickes, die neue – und erste – Dekanin der Fakultät Life Sciences. Sie skizziert die Hochschule, schlägt dann einen persönlichen Bogen: von der Schülerin zur Professorin. Moenickes’ Fachgebiet heißt Umweltsystemanalyse. Hinter „computergestützter Simulation“ verbirgt sich bei ihr die Modellierung komplexer ökologischer Zusammenhänge: Wie verändern sich ganze Ökosysteme unter Stress? Was geschieht, wenn Temperatur- und Nahrungsregime kippen? Diese Makroperspektive bietet den Rahmen für das Programm der nächsten Stunden. Denn die Workshops zoomen in die Mikrokomponenten: Mikroben im Wasser, Gene im Essen, Pigmente in Blättern.

Das Team der Fakultät Life Sciences öffnet seine Labore – und seine laufenden Themen. Das Besondere an diesen zwei Tagen: Hier lehren nicht „irgendwelche“ Dozierenden, sondern Forschende, die ihre Industrie- und Laborerfahrung direkt in didaktische Formate übersetzen. Der Wechsel von der Spitzenforschung in die Schulhand ist bewusst angelegt. Komplexität wird nicht verkürzt, sondern handhabbar gemacht.

Der Fokus liegt auf motivierten Schüler*innen, besonders auf jenen, die als Erste in ihrer Familie ein Studium erwägen, oder die vor finanziellen und sprachlichen Hürden stehen. Die Beratung ist individuell, vertraulich, kostenlos, ergebnisoffen. Sie hilft bei Fachwahl und Finanzierung ebenso wie bei der Praktikumssuche. Selbst das kostenlose Mittagessen in der Mensa ist, in diesem Licht, mehr als Gastfreundschaft: ein kleiner Akt der Inklusion. Für eine Stunde Teil des studentischen Alltags sein, Schwellen absenken – auch das gehört zum Wissenstransfer.

Gleichzeitig zeigt die Fakultät beim MINT-Festival die Life Sciences nicht als unnahbare Disziplin, sondern als Feld drängender, alltagsrelevanter Fragen. Damit möchte die Fakultät demonstrieren, dass Infrastruktur allein nicht ausreicht. Entscheidend ist das Humankapital: Forschende mit internationaler und industrieller Erfahrung, die bereit sind, ihre Methoden offenzulegen und ihre Perspektive zu teilen. So wird aus Komplexität kein Spektakel, sondern ein Zugang.